Die Pianistin brach mitten im Konzert ab – und nannte den Namen, den alle vergessen wollten

„Weil ihre Musik heute in einem Konzert gespielt wurde.“

Sein Atem ging schwer.

„Komm nach Hause.“

Als Amelie eine Stunde später die Wohnung betrat, saß ihr Vater am Küchentisch. Vor ihm lag eine alte Kassette. Das Plastik war an den Rändern vergilbt.

„Deine Mutter hat sie mir am Abend vor dem Brand gegeben“, sagte er. „Sie sagte, wenn sie nicht zurückkomme, müsse ich sie verstecken.“

„Warum hast du mir nie davon erzählt?“

„Weil Halberg zu mir kam.“

Amelie setzte sich.

Ihr Vater erzählte, Viktor habe ihm damals gedroht. Wenn er über Clara spreche, würde man ihm die Schuld an ihrer Flucht geben und Amelie in eine Pflegefamilie bringen. Außerdem habe Halberg behauptet, Clara sei gefährlich und werde jeden zerstören, der ihr glaube.

„Ich war feige“, sagte ihr Vater. „Ich dachte, ich könnte dich schützen, wenn ich schweige.“

„Du hast mich in einer Lüge aufwachsen lassen.“

Er nickte. „Ja.“

Amelie legte die Kassette auf den Tisch. Ihre Finger zitterten, als sie den alten Rekorder holte. Das Gerät knisterte, dann war eine Frauenstimme zu hören.

Clara.

„Wenn Amelie das irgendwann hört, soll sie wissen, dass ich nicht gegangen bin, weil ich sie nicht liebte.“

Amelie presste eine Hand auf ihren Mund.

Die Aufnahme war kurz. Clara sprach von einem Notizbuch, das sie im Konzerthaus versteckt habe. Darin befänden sich die ursprünglichen Partituren, Briefe und eine Erklärung von Emil Raben. Sie sagte, sie müsse verschwinden, weil Viktor Halberg begonnen habe, Zeugen einzuschüchtern.

Dann knackte es in der Aufnahme.

Clara flüsterte:

„Wenn sie behaupten, ich hätte den Brand gelegt, glaubt ihnen nicht. Die Wahrheit liegt dort, wo das Licht niemals auf die Bühne fällt.“

Unter dem alten Orchestergraben