Die Mutter antwortete nicht sofort. Dann sagte sie leise: „Er hat vor zwei Wochen etwas gesehen. Seitdem schläft er schlecht.“
Die Kamera hinter dem Werkzeugschrank
Clara fuhr zurück zur Schule. Der Hausmeister ließ sie durch einen Seiteneingang hinein. Im Gebäude war es still. Nur aus der Turnhalle drang das dumpfe Geräusch eines Basketballs.
Im Werkraum stand der grüne Schrank noch an seinem Platz. Clara schob ihn mit beiden Händen zur Seite. Dahinter fand sie keine Kamera, sondern eine lose Abdeckung in der Wand. In der Öffnung lag ein kleines Speichermedium.
Ihr Herz schlug schneller.
Sie wollte danach greifen, als hinter ihr die Tür aufging.
Emil stand im Flur. Seine Kapuze war tief ins Gesicht gezogen.
„Sie dürfen das nicht nehmen“, sagte er.
„Warum nicht?“
„Weil Herr Reuter gesagt hat, dass meine Mutter sonst Probleme bekommt.“
Clara ging in die Hocke, damit sie auf Augenhöhe mit ihm war. „Was ist auf dem Speicher?“
Emil presste die Lippen zusammen.
Dann zog er aus seiner Jackentasche ein altes Mobiltelefon. Das Display war gesprungen. Er öffnete eine Videodatei und hielt Clara das Gerät hin.
Das Bild war dunkel und verwackelt. Man erkannte den Werkraum. Eine Person trat ins Bild, öffnete den grünen Schrank und nahm mehrere Ordner heraus.
Clara erkannte die Jacke sofort.
Sie gehörte dem stellvertretenden Schulleiter.
„Wann hast du das aufgenommen?“
„Nach dem Unterricht. Ich wollte meine Drohne reparieren. Dann habe ich Stimmen gehört.“
Auf dem Video sprach der Mann mit jemandem außerhalb des Bildes. Die Stimme war gedämpft, aber einzelne Sätze waren deutlich zu verstehen.
Es ging um Rechnungen, die nie bezahlt worden waren. Um Konten, die über einen Verein liefen. Und um eine Liste von Lehrern, deren Namen für Freigaben verwendet werden konnten.
Clara sah Emil an. „Du hast das jemandem gezeigt?“
Er schüttelte den Kopf.
