Clara musste lachen, doch es klang hart und fremd. Das Projekt war ihre Idee gewesen. Sie hatte Schülern nachmittags einen Raum gegeben, in dem sie malen, reparieren und eigene Projekte entwickeln konnten. Die Schule hatte kaum Geld dafür bereitgestellt. Clara hatte alte Werkzeuge gesammelt, gebrauchte Computer organisiert und lokale Betriebe um Material gebeten.
„Ich habe keinen Zugriff auf das Konto“, sagte sie.
„Die Unterlagen zeigen etwas anderes.“
Maren schob ihr eine zweite Mappe hin. Darin lagen Überweisungen, Bestellungen und mehrere E-Mails. Alles schien von Clara zu stammen.
Das Schlimmste war nicht, dass man ihr nicht glaubte. Das Schlimmste war, wie sorgfältig jemand ihre Identität benutzt hatte.
Der Schüler, den niemand beachtete
Eine Stunde später saß Clara allein in ihrem kleinen Mietwagen vor der Schule. Sie konnte den Motor nicht starten. Auf dem Beifahrersitz lag ihre Tasche, darin ein Schlüsselbund, ein roter Schal und die Zeichnung eines Schülers namens Emil.
Emil war dreizehn und sprach im Unterricht kaum. Er saß meistens am Rand, zeichnete technische Gebäude und vermied es, fotografiert zu werden. Andere Lehrer hielten ihn für unaufmerksam. Clara wusste, dass er jedes Detail bemerkte.
Am Morgen hatte Emil ihr eine Skizze gegeben. Darauf war der alte Werkraum zu sehen, mit dem schiefen Fenster und dem grünen Werkzeugschrank. Hinter dem Schrank hatte er eine kleine schwarze Kamera eingezeichnet.
Clara hatte ihn gefragt, warum.
„Weil sie dort nicht hingehört“, hatte er gesagt.
Damals hatte sie die Bemerkung für eine Beobachtung gehalten. Jetzt griff sie nach ihrem Telefon.
Emil meldete sich nicht. Seine Mutter nahm den Anruf nach dem dritten Versuch an.
„Er ist noch in der Schule“, sagte sie vorsichtig.
„Ich muss mit ihm sprechen. Es geht um den Werkraum.“
Am anderen Ende entstand eine lange Pause.
„Clara, Emil hat Angst, dass er Ärger bekommt.“
„Weshalb?“
