Der Millionär, den alle sterben sehen wollten

TEIL 4 – Der USB-Stick

„Ich … sortiere die Unterlagen“, sagte ich.

Christopher sah mich an.

„Das ist nicht deine Aufgabe.“

„Raymond hat mich darum gebeten.“

„Er kann dich um nichts bitten.“

Ich schwieg.

Christopher kam näher.

„Hast du etwas gefunden?“

„Nein.“

Er sah mich lange an.

Dann lächelte er.

„Gut.“

Er ging.

Ich wartete zehn Minuten.

Dann kehrte ich in mein Zimmer zurück.

Ich hatte den USB-Stick in meiner Kleidung versteckt.

Ich schloss meinen Laptop an.

Auf dem Stick befanden sich mehrere Dateien.

Eine davon war ein Video.

Ich öffnete es.

Raymond erschien auf dem Bildschirm.

Er saß an seinem Schreibtisch.

Er sah gesund aus.

Das Video war offensichtlich einige Monate zuvor aufgenommen worden.

„Wenn du dieses Video siehst“, sagte er, „ist etwas passiert, das ich verhindern wollte.“

Ich hielt den Atem an.

„Christopher glaubt, dass ich ihm alles hinterlassen werde.“

Raymond machte eine Pause.

„Das werde ich nicht.“

Dann erklärte er, dass er kurz vor seinem Zusammenbruch sein Testament geändert hatte.

Sein gesamtes Vermögen sollte nach seinem Tod in eine Stiftung fließen.

Ein Teil sollte an wohltätige Organisationen gehen.

Ein weiterer Teil sollte für die Ausbildung seines verstorbenen Sohnes und dessen Kinder verwendet werden.

Christopher würde fast nichts erhalten.

„Wenn Christopher davon erfährt“, sagte Raymond im Video, „wird er versuchen, mich zum Schweigen zu bringen.“

Ich stoppte das Video.

Mein Herz raste.

Dann sah ich die nächste Datei.

Eine Audiodatei.

Ich spielte sie ab.

Es war ein Gespräch zwischen Christopher und Dr. Wallace.

„Wie lange noch?“

„Wenn wir die Dosis erhöhen, höchstens fünf Tage.“

„Und wenn jemand fragt?“

„Natürlicher Verlauf der Krankheit.“

Ich legte die Hand vor den Mund.

Ich hatte den Beweis.

Doch plötzlich hörte ich Schritte.

Ich schloss den Laptop.

Ich versteckte den USB-Stick.

Die Tür öffnete sich.

Christopher.

„Nora.“

„Ja?“

„Du wirst heute Nacht das Haus verlassen.“

Ich sah ihn an.

„Warum?“

„Weil wir deine Dienste nicht mehr brauchen.“

Ich wusste, dass das gelogen war.

Er hatte Angst.

Er wusste, dass ich etwas entdeckt hatte.

„Ich brauche nur bis morgen früh“, sagte ich.

„Nein.“

Er trat näher.

„Du gehst heute.“

Ich sah zu Theodore.

Er schlief.

„Bitte. Mein Sohn ist krank.“

Christopher sah zum Baby.

Dann sagte er:

„Das ist nicht mein Problem.“

Er ging.

Ich wartete.

Dann ging ich zu Raymond.

Seine Augen waren offen.

Ich beugte mich zu ihm.

„Sie wollen mich hinauswerfen.“

Er blinzelte.

„Was soll ich tun?“

Er sah auf seine rechte Hand.

Dann auf den Tisch.

Ich verstand nicht.

Dann sah ich es.

Sein Finger bewegte sich.

Er zeigte auf die Klingel.

Ich drückte sie.

Eine versteckte Anzeige leuchtete auf.

„Was ist das?“

Raymond bewegte die Lippen.

„Notruf.“

Ich sah ihn an.

„Sie haben einen Notruf?“

Er blinzelte.

Ja.

Dann sagte er:

„Aber … nicht für Polizei.“

Ich verstand plötzlich.

Er hatte jemand anderen vorbereitet.

Jemanden, dem er vertraute.



Pages: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Pages ( 4 of 10 ): « Previous123 4 56 ... 10Next »