TEIL 3 – Die fünf Tage
In dieser Nacht wartete ich, bis alle im Haus schliefen.
Dann öffnete ich meinen Laptop.
Ich suchte nach dem Namen des Medikaments.
Ich fand eine medizinische Datenbank.
Ich las die Beschreibung.
Dann las ich sie noch einmal.
Das Medikament konnte eine schwere Muskelschwäche verursachen.
Bei falscher Dosierung konnte es die Atemmuskulatur beeinträchtigen.
Es war ein Medikament, das nur unter strenger medizinischer Kontrolle eingesetzt werden durfte.
Ich sah auf Raymond.
Er war nicht einfach krank.
Sein Zustand wurde möglicherweise künstlich verschlechtert.
Ich wollte die Polizei rufen.
Doch dann dachte ich an Theodore.
Wenn ich mich irrte, würde ich alles verlieren.
Wenn ich recht hatte, konnte ein Mann sterben.
Ich entschied mich für einen anderen Weg.
Ich begann Beweise zu sammeln.
Ich fotografierte die Ampulle, die ich im medizinischen Abfallbehälter gefunden hatte.
Ich notierte Uhrzeit und Datum.
Ich schrieb auf, wann Dr. Wallace kam.
Wann Christopher erschien.
Welche Medikamente gegeben wurden.
Wie Raymond danach reagierte.
Am nächsten Morgen fragte ich Raymond:
„Wissen Sie, warum Christopher Sie töten will?“
Raymond blinzelte.
„Er glaubt, dass er Ihr Geld bekommt.“
Ja.
„Aber Sie haben doch ein Testament?“
Raymond schloss die Augen.
Ja.
„Was steht darin?“
Er sah zur Tür.
Gefahr.
Ich wartete.
Nach einigen Minuten flüsterte er:
„Nicht Christopher.“
„Wer dann?“
Er sah mich an.
„Mein Sohn.“
Ich war überrascht.
„Sie haben einen Sohn?“
Raymond blinzelte.
Ja.
„Wo ist er?“
Raymond schloss die Augen.
„Tot.“
Ich wurde still.
Dann verstand ich, dass er seinen verstorbenen Sohn meinte.
„Hat er Kinder?“
Ein Blinzeln.
Ja.
„Ein Enkelkind?“
Raymond bewegte die Augen.
Ja.
„Und wer ist der Vormund?“
Raymond flüsterte:
„Christopher.“
Ich verstand.
Christopher würde nicht nur das Geld bekommen.
Er kontrollierte auch das Erbe seines verstorbenen Cousins.
„Wie viel?“
Raymond sah mich an.
„Mehr als eine Milliarde.“
Ich konnte kaum glauben, was ich hörte.
Eine Milliarde Dollar.
Christopher musste einen gewaltigen Grund haben, Raymonds Tod zu beschleunigen.
Am Nachmittag fand ich etwas in Raymonds Arbeitszimmer.
Ich war dort, um seine Unterlagen zu sortieren.
In einem Schrank entdeckte ich einen verschlossenen Safe.
Auf dem Tisch daneben lag ein Schlüssel.
Ich wusste nicht, warum.
Aber Raymond hatte mir am Morgen ein Zeichen gegeben.
Er hatte zweimal geblinzelt und dann zur Schublade gezeigt.
Ich öffnete sie.
Darin lag ein kleiner Umschlag.
Auf dem Umschlag stand:
„Falls ich sterbe, bevor ich sprechen kann.“
Ich öffnete ihn.
Darin befand sich ein USB-Stick.
Und ein handgeschriebener Satz:
„Vertrau niemandem in diesem Haus.“
Ich steckte den USB-Stick in meine Tasche.
In diesem Moment hörte ich hinter mir eine Stimme.
„Was machst du da?“
Ich drehte mich um.
Christopher stand in der Tür.
