Teil 5 – Das Geheimnis des Vaters
Marcus setzte sich an den Küchentisch.
Sarah stand neben ihm.
Clara war noch im Schlafzimmer.
Marcus begann zu lesen.
Die ersten Seiten enthielten finanzielle Aufzeichnungen.
Grundstücke.
Bankkonten.
Unternehmensanteile.
Dann fand er Briefe.
Sein Vater hatte darin beschrieben, dass Phyllis mehrere Entscheidungen ohne sein Wissen getroffen hatte.
Es ging nicht nur um Geld.
Es ging um die Kontrolle über das Familienunternehmen.
Vor sechs Jahren hatte Marcus’ Vater entdeckt, dass mehrere Überweisungen von einem Geschäftskonto auf private Konten geflossen waren.
Er hatte Phyllis damit konfrontiert.
Sie hatte behauptet, es handle sich um einen Fehler.
Doch die Beweise im Ordner erzählten eine andere Geschichte.
Marcus las weiter.
Sein Vater hatte offenbar befürchtet, dass jemand versuchen würde, seine Unterschrift zu fälschen.
Er hatte deshalb Kopien aller wichtigen Dokumente angefertigt.
Eine Notiz enthielt sogar die Namen mehrerer Personen, denen er misstraute.
Der Name Phyllis stand ganz oben.
Marcus konnte kaum atmen.
„Warum hast du mir das nie erzählt?“, fragte er sich selbst.
Dann fand er eine weitere Seite.
Darauf stand:
„Marcus soll erst alles erfahren, wenn er alt genug ist, selbst zu entscheiden. Ich will nicht, dass er zwischen seine Mutter und mich gerät.“
Marcus schloss für einen Moment die Augen.
Sein Vater hatte geschwiegen, um ihn zu schützen.
Doch dieses Schweigen hatte dazu geführt, dass Marcus jahrelang blind gewesen war.
Sarah nahm eine weitere Seite.
„Marcus, hier steht etwas über Clara.“
Er sah sie an.
„Was?“
Sarah zeigte auf einen Absatz.
Dort stand, dass sein Vater Clara bereits vor ihrer Hochzeit kennengelernt hatte.
Er hatte sie als vertrauenswürdig beschrieben.
Und er hatte notiert, dass er ihr später einen Teil seines Vermögens überlassen wollte.
Marcus starrte auf das Papier.
„Meine Mutter wusste davon.“
Sarah nickte.
„Wahrscheinlich.“
Marcus verstand plötzlich einige Dinge.
Warum Phyllis Clara nie wirklich akzeptiert hatte.
Warum sie immer wieder versucht hatte, Streit zwischen ihnen zu erzeugen.
Warum sie Clara ständig klein gemacht hatte.
Und warum sie so nervös geworden war, als Marcus den schwarzen Ordner erwähnt hatte.
Doch es gab noch ein Problem.
Ein großer Teil der Dokumente fehlte.
Mehrere Seiten waren herausgerissen worden.
Marcus rief seinen Anwalt an.
„Ich brauche sofort deine Hilfe.“
„Was ist passiert?“
„Ich glaube, meine Mutter hat jahrelang versucht, Vermögenswerte aus dem Familienunternehmen zu entfernen.“
Sein Anwalt schwieg kurz.
„Hast du Beweise?“
Marcus sah auf den Ordner.
„Vielleicht.“
„Dann bring sie mir. Und ändere nichts daran.“
Marcus nickte.
Er wusste noch nicht, dass die fehlenden Seiten in wenigen Stunden auftauchen würden.
