Teil 4 – Der schwarze Ordner
Marcus kam am Abend nach Hause.
Sarah wartete bereits vor dem Haus.
Er stieg aus dem Wagen und sah sie an.
„Wo ist Clara?“
„Im Schlafzimmer.“
Marcus ging sofort hinein.
Clara lag im Bett.
Als sie ihn sah, begann sie zu weinen.
Er setzte sich neben sie.
„Es tut mir leid.“
„Du konntest es nicht wissen“, sagte Clara.
„Doch. Du hast mir oft gesagt, dass etwas nicht stimmt.“
Clara schwieg.
„Warum hast du mir nicht alles erzählt?“
„Weil ich Angst hatte, dass du mir nicht glaubst.“
Dieser Satz traf Marcus härter als alles andere.
Er nahm ihre Hand.
„Ich glaube dir jetzt.“
Am nächsten Morgen rief Marcus seinen Anwalt an.
Er wollte wissen, welche rechtlichen Möglichkeiten Clara hatte.
Doch bevor er dazu kam, ging er noch einmal das Video durch.
Dieses Mal sah er genauer hin.
Im Hintergrund stand eine Schranktür offen.
Darin befand sich ein schwarzer Ordner.
Marcus kannte ihn.
Sein Vater hatte diesen Ordner vor sechs Jahren geführt.
Damals war die Familie in einen Streit über ein Grundstück verwickelt gewesen.
Sein Vater war kurz vor seinem Tod gewesen.
Er hatte Marcus damals gebeten, einige Unterlagen aufzubewahren.
Doch kurz danach war der Ordner verschwunden.
Marcus hatte nie herausgefunden, wer ihn genommen hatte.
„Sarah“, sagte er.
„Ja?“
„Kannst du mir sagen, ob dieser Ordner noch da ist?“
Sarah sah das Bild an.
„Der schwarze?“
„Ja.“
„Ich glaube schon.“
Marcus stand auf.
Er ging zur Küche.
Phyllis war dort.
„Was willst du?“
Marcus zeigte auf den Schrank.
„Was ist das?“
Phyllis wurde blass.
„Welche Sache?“
„Der schwarze Ordner.“
„Keine Ahnung.“
Marcus öffnete den Schrank.
Der Ordner war nicht mehr da.
Er sah Sarah an.
„Hast du ihn gesehen?“
Sarah nickte.
„Vor zwei Tagen.“
Marcus wusste sofort, dass seine Mutter log.
Er ging in ihr Gästezimmer.
Phyllis folgte ihm.
„Du hast kein Recht, meine Sachen zu durchsuchen.“
Marcus öffnete eine Schublade.
Leer.
Eine zweite.
Leer.
Dann bemerkte er einen Koffer.
Er öffnete ihn.
Unter mehreren Kleidungsstücken lag der schwarze Ordner.
Phyllis sagte nichts mehr.
Marcus nahm ihn heraus.
Auf der ersten Seite stand der Name seines Vaters.
Darunter ein Datum.
Und ein Satz, der Marcus das Blut in den Adern gefrieren ließ:
„Wenn mir etwas passiert, darf Phyllis niemals allein über die Familienkonten entscheiden.“
