Ich erfuhr später, dass Nadja nicht auf Viktor gewartet hatte.
Als die Jahre vergingen und Viktor nicht aufwachte, begann sie ihr eigenes Leben aufzubauen.
Sie hatte Milo.
Sie hatte Arbeit.
Sie hatte irgendwann einen anderen Mann kennengelernt.
Viktor war für sie zu einem Teil der Vergangenheit geworden.
Das war vielleicht die grausamste Ironie der ganzen Geschichte.
Er hatte seine Ehe zerstört, weil er glaubte, mit Nadja eine Zukunft zu haben.
Als er schließlich aufwachte, war auch diese Zukunft verschwunden.
Und Milo?
Ich wollte Milo nie für die Fehler seines Vaters bestrafen.
Er war fünf Jahre alt gewesen, als ich zum ersten Mal sein Gesicht auf Viktors Handy gesehen hatte.
Er hatte nichts getan.
Er war nur ein Kind.
Ein Kind, das seinen Vater liebte.
Ein Kind, das nichts von den Lügen der Erwachsenen verstand.
Einige Monate später traf ich Milo zufällig.
Er erkannte mich.
„Du bist Maja“, sagte er.
Ich lächelte.
„Ja.“
„Du warst lange bei Papa.“
Ich nickte.
„Ja.“
Er fragte:
„Ist Papa jetzt traurig?“
Ich überlegte.
„Manchmal.“
„Wegen dir?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Wegen seiner Entscheidungen.“
Milo verstand das wahrscheinlich nicht vollständig.
Aber vielleicht würde er es eines Tages verstehen.
Der letzte Besuch
Ein Jahr nach Viktors Erwachen ging ich ein letztes Mal zu ihm.
Er saß am Fenster.
Er konnte inzwischen mit Hilfe laufen.
Seine Sprache war besser geworden.
Er sah mich an.
„Du gehst wirklich?“
„Ja.“
„Für immer?“
Ich nickte.
Er schwieg.
Dann sagte er:
„Ich habe dich verloren.“
Ich antwortete:
„Nein, Viktor.“
Er sah mich an.
„Du hast mich nicht verloren.“
Ich machte eine Pause.
„Du hast mich weggegeben.“
Er schloss die Augen.
Ich stand auf.
„Ich hoffe, dass du irgendwann lernst, mit dem Menschen zu leben, der du geworden bist.“
„Maja.“
Ich drehte mich um.
„Danke.“
Ich lächelte traurig.
„Danke wofür?“
