Wir lebten rechtlich immer weniger als Ehepaar, auch wenn sein Zustand vieles verlangsamte.
Ich trug meinen Ehering irgendwann nicht mehr.
Ich legte ihn in eine kleine Schachtel.
Danach fühlte sich meine Hand erstaunlich leicht an.
Zwei Jahre
Nach zwei Jahren konnte Viktor mit Unterstützung sitzen.
Er konnte einzelne Wörter formen.
Seine Sprache war schwer beschädigt.
Manchmal wurde er wütend, weil sein Körper nicht gehorchte.
Einmal warf er einen Becher auf den Boden.
Ich erschrak.
Dann sah ich sein Gesicht.
Er weinte.
Ich setzte mich neben ihn.
„Ich weiß“, sagte ich.
„Du willst, dass dein Körper wieder funktioniert.“
Er sah mich an.
Ich wusste nicht, ob er mich verstand.
Aber ich blieb.
Drei Jahre
Im dritten Jahr zog Viktor in eine betreute Einrichtung.
Ich hatte längst aufgehört, mich zu fragen, warum ich noch kam.
Vielleicht war es Gewohnheit.
Vielleicht war es mein Beruf.
Vielleicht waren sieben Jahre Liebe nicht einfach auszulöschen, nur weil man die Wahrheit erfahren hatte.
Vielleicht war es aber auch etwas anderes.
Ich wollte nicht die Frau sein, die jemand wurde, nachdem man ihr Unrecht getan hatte.
Ich wollte Maja bleiben.
Die Frau, die ich vor Viktor gewesen war.
Dann öffnete er die Augen
Es geschah an einem kalten Herbstmorgen.
Ich saß neben seinem Bett und las einen Bericht.
Plötzlich bemerkte ich Bewegung.
Ich hob den Kopf.
Viktor sah mich an.
Nicht durch mich hindurch.
Nicht irgendwohin.
Er sah mich an.
Direkt.
Seine Lippen bewegten sich.
„Ma…“
Ich stand auf.
„Viktor?“
Er blinzelte.
Dann sagte er:
„Maja.“
Ich begann zu weinen.
Ich hatte drei Jahre lang darauf gewartet.
Drei Jahre voller Reha, Infektionen, Rückschläge, schlafloser Nächte und kleiner Fortschritte.
Und plötzlich sagte er meinen Namen.
Ich nahm seine Hand.
„Ich bin hier.“
Seine Finger bewegten sich.
Ich weinte stärker.
Vielleicht würde er sich entschuldigen.
