Darauf konnte ich nichts erwidern.
Ich wollte keine Ehefrau sein, die sich darüber beschwerte, dass ihr Mann seinem Land diente.
Also schwieg ich.
Das war wahrscheinlich mein größter Fehler.
Das Sparbuch
Meine Eltern hatten mir zur Hochzeit Geld geschenkt.
Es war für meine Zukunft gedacht.
Ich hatte außerdem über mehrere Jahre hinweg Geld gespart.
Mein gesamtes Erspartes lag auf einem eigenen Sparkonto.
Ich hatte ein Sparbuch.
Es war alt und unscheinbar.
Aber für mich bedeutete es Sicherheit.
Ich dachte an das Baby.
An einen Kinderwagen.
An Kleidung.
An Medikamente.
An eine unerwartete Krankenhausrechnung.
An alles, was eine junge Familie brauchen konnte.
Dann wollte ich eines Tages mein Gehalt einzahlen.
Ich öffnete die Schublade.
Das Sparbuch war nicht da.
Ich suchte überall.
In der Küche.
Im Schlafzimmer.
In den Schränken.
In alten Taschen.
Nichts.
Ich bekam Angst.
Am nächsten Morgen ging ich zur Polizei.
Ich meldete das Sparbuch als verschwunden.
Danach rief ich bei Leifs Einheit an.
Als er hörte, dass ich bei der Polizei gewesen war, wurde seine Stimme plötzlich kalt.
„Wer hat dir erlaubt, zur Polizei zu gehen?“
Ich verstand die Frage nicht.
„Mein Sparbuch ist weg.“
„Ich habe es genommen.“
Ich wurde still.
„Du?“
„Ja.“
„Warum?“
Er schwieg einige Sekunden.
Dann sagte er:
„Lars ist gestorben.“
Lars war ein Kamerad von ihm.
Yvonnes Ehemann.
Er war während seines Dienstes ums Leben gekommen.
Leif erklärte mir, dass Yvonne allein zurückgeblieben sei.
Sie habe ihre Wohnung verloren.
Die Familie ihres verstorbenen Mannes habe sie beschuldigt.
Sie habe niemanden.
Sie brauche Hilfe.
Ich fragte:
„Und was hat das mit meinem Geld zu tun?“
Dann sagte er den Satz, der meine Welt veränderte.
„Ich habe eine Wohnung für sie gekauft.“
„Mit meinem Geld?“
Stille.
„Ja.“
Ich lachte.
Ich konnte nicht anders.
Es war kein fröhliches Lachen.
