Die Pianistin brach mitten im Konzert ab – und nannte den Namen, den alle vergessen wollten

Die letzte Seite trug den Namen des Komponisten Emil Raben. Dieser Name war in der Musikwelt legendär. Raben war vor zwanzig Jahren bei einem Brand in einem privaten Archiv ums Leben gekommen. Seine unveröffentlichten Werke hatten ihn nach seinem Tod noch berühmter gemacht.

Amelie kannte jedoch jede einzelne Wendung der Melodie.

Sie stammte von Clara.

Der Mann in der ersten Reihe

„Spielen Sie weiter“, wiederholte der Dirigent, diesmal schärfer.

Amelie hob den Kopf. Viktor Halberg sah sie an. Sein Gesicht war unbewegt, doch seine rechte Hand umklammerte die Armlehne seines Sessels.

Er wusste, was sie erkannt hatte.

Amelie stand auf. Ein Raunen ging durch den Saal.

„Dieses Stück wurde nicht von Emil Raben komponiert“, sagte sie ins Mikrofon. „Und der Name der Person, die es geschrieben hat, sollte heute nicht erwähnt werden.“

Der Dirigent trat auf sie zu. Hinter der Bühne begannen Mitarbeiter hektisch miteinander zu flüstern. Eine Kamera schwenkte von Amelie zu Halberg.

Viktor erhob sich langsam.

„Das ist ein bedauerliches Missverständnis“, sagte er. „Die Künstlerin steht offenbar unter großer Anspannung.“

Amelie sah ihn an.

„Meine Mutter hieß Clara Winter.“

Im Saal wurde es so still, dass sie das leise Summen der Scheinwerfer hören konnte.

Viktor wurde blass. Nur für einen Augenblick. Doch Amelie bemerkte es.

Was ihr Vater nie erzählen wollte

Nach dem Konzert wurde Amelie nicht in den Künstlerraum gebeten. Zwei Sicherheitsmitarbeiter führten sie durch einen Seitengang in ein Büro hinter der Bühne. Dort wartete Viktor Halberg bereits.

Er hatte die Jacke ausgezogen und stand vor einem Fenster, hinter dem die Stadt im Regen verschwamm.

„Sie haben keine Ahnung, worüber Sie sprechen“, sagte er.

„Dann erklären Sie mir, warum Sie den Namen meiner Mutter kannten, bevor ich ihn genannt habe.“

Er antwortete nicht.