Er fand in einem Karton eine alte Liste mit privaten Telefonnummern. Eine Nummer gehörte Miriams ehemaligem Rechtsberater, eine andere einer Journalistin, die vor Jahren über die Gründung von Silberhain berichtet hatte.
Paul nahm den Hörer des Wandtelefons ab. Seine Hände zitterten.
„Was soll ich sagen?“
„Die Wahrheit“, antwortete David. „Und diesmal bleiben Sie in der Leitung.“
Paul wählte die erste Nummer.
Im selben Augenblick erlosch das Licht.
Aus dem Flur kam das Geräusch eines Schlüssels, der langsam in das Schloss der Archivraumtür geschoben wurde.
Clara sprach nun nicht mehr freundlich.
„Herr Hartmann“, sagte sie durch die geschlossene Tür. „Sie haben zehn Jahre lang von unserer Geduld gelebt. Machen Sie es nicht noch schwieriger.“
Paul drückte den Hörer an sein Ohr. Am anderen Ende meldete sich eine Stimme.
David legte den Finger auf die Lippen.
Dann begann Clara, das Schloss zu drehen.
Als die Tür einen Spaltbreit aufsprang, hob Paul den Blick. Zum ersten Mal wirkte er nicht wie ein Mann, der sich versteckte.
„Jetzt“, sagte er leise.
David schaltete die Taschenlampe ein und richtete sie auf die Kartons. In jedem klebte ein Name. In jedem lag eine Geschichte, die man hatte verschwinden lassen wollen.
Am nächsten Morgen trafen Ermittler und ein Notarzt in Silberhain ein. Die aufgezeichneten Telefonate, die Briefe und die Archivkopien reichten aus, um die Verwaltung vorläufig zu schließen. Mehrere Bewohner erhielten unabhängige Beratung, und die geplanten Verlegungen wurden gestoppt.
Paul wurde nicht wieder zum Gründer gemacht. Das wollte er auch nicht. Er bezog ein kleines Zimmer im Erdgeschoss und begann, die Bewohner selbst zu fragen, was sie brauchten.
Ein Jahr später hing in der Eingangshalle kein Bild von ihm mehr. Stattdessen stand dort eine Tafel mit den Namen aller Menschen, die Silberhain aufgebaut hatten.
