Clara kannte ihn. Jonas Rehm war damals der junge Leiter von Vargas Atelier gewesen. Heute war er der wichtigste Gutachter der Voss-Stiftung.
Der Mann, der das Bild unbedingt verkaufen wollte
Am Nachmittag erhielt Clara eine Nachricht von Viktor Sander.
Die Auktion findet statt. Das Bild bleibt im Haus. Sie haben bis 18 Uhr Zeit, Ihre Zweifel zurückzunehmen.
Clara antwortete nicht. Sie schickte stattdessen Kopien der Nachricht, des Papiergutachtens und der Zahlenfolge an eine Anwältin, die auf Kunstfälschungen spezialisiert war.
Eine Stunde später rief Jonas Rehm an.
„Sie sollten vorsichtig sein“, sagte er.
„Womit?“
„Mit Geschichten, die Menschen aus der Vergangenheit hervorkramen. Ihre Mutter war nach dem Unfall nicht mehr zurechnungsfähig. Sie hatte sich in Vermutungen verrannt.“
„Sie kannten sie.“
„Ich kannte ihre Angst.“
„Dann wissen Sie auch, warum sie die Nachricht hinter dem Bild versteckte.“
Am anderen Ende blieb es still.
Clara öffnete eine digitale Kopie des Auktionskatalogs. Neben dem Bild stand, dass es aus einer privaten Sammlung stammte und 2008 aus Vargas Atelier erworben worden war.
Doch der Lagercode auf dem Papier führte nicht zu einem privaten Sammler. Er führte zu einem alten Register, in dem Helena mehrere Werke verzeichnet hatte. Neben jedem Namen stand ein kleiner Kreis. Bei drei Gemälden war der Kreis durchgestrichen.
Das Varga-Bild war eines davon.
Clara begriff, was ihre Mutter versucht hatte. Sie hatte nicht beweisen wollen, dass das Gemälde gefälscht war. Sie hatte festhalten wollen, wer es wirklich geschaffen hatte.
Die Auktion beginnt
Um 19 Uhr war der Saal voll. Sammler, Händler und Journalisten standen zwischen den Gemälden. Viktor Sander eröffnete die Auktion mit routinierter Stimme.
Als das Bild aufgerufen wurde, hob ein Mann in der ersten Reihe sofort die Nummer.
Der Preis stieg schnell.
