Sie sollte das Gemälde nur aus dem Rahmen nehmen – dann entdeckte sie die Handschrift ihrer Mutter

Clara stand an der Seite des Saals. Neben ihr wartete ihre Anwältin mit einer Mappe. Miriam Voss beobachtete sie unbeweglich. Jonas Rehm saß zwei Reihen dahinter.

„Jetzt“, flüsterte die Anwältin.

Clara trat nach vorn.

„Diese Auktion muss unterbrochen werden.“

Ein Raunen ging durch den Saal. Viktor Sander schlug mit dem Hammer auf das Pult.

„Auf welcher Grundlage?“

Clara legte die Kopie der Nachricht auf den Tisch.

„Auf der Grundlage, dass dieses Gemälde möglicherweise unter falscher Urheberschaft verkauft wird.“

Jonas Rehm sprang auf.

„Das ist absurd. Diese Frau versucht, einen bekannten Künstler zu beschädigen, weil ihre Mutter persönliche Probleme hatte.“

Clara sah ihn an.

„Dann erklären Sie uns, warum Ihre Unterschrift im alten Lagerregister neben dem Code steht.“

Zum ersten Mal verlor Jonas seine Ruhe.

Miriam Voss trat zwischen sie.

„Das Register ist wertlos. Es wurde von einer verärgerten Angestellten erstellt.“

„Von meiner Mutter?“

„Ja.“

Clara zog ein zweites Dokument aus der Mappe. Es war eine beglaubigte Kopie eines Briefes, den Helena wenige Stunden vor ihrem Tod an eine Kunstzeitschrift geschickt hatte.

Der Brief war nie veröffentlicht worden.

Doch bevor Clara ihn vorlesen konnte, ging im Saal das Licht aus.

Im Dunkeln hörte sie, wie jemand hastig zum Podest lief. Glas zerbrach. Ein Stuhl fiel um.

Als die Notbeleuchtung anging, war das Gemälde verschwunden.

Auf dem leeren Podest lag nur der alte Umschlag ihrer Mutter.

Und auf seiner Rückseite stand eine neue Nachricht, die Clara mit Sicherheit nicht geschrieben hatte:

Frag deinen Vater, wer in jener Nacht wirklich am Steuer saß.

Clara starrte auf den Satz. Ihr Vater hatte immer gesagt, Helenas Tod sei ein Unfall gewesen. Doch zum ersten Mal fragte sie sich, ob er nicht nur die Wahrheit verschwiegen hatte, sondern selbst ein Teil davon war.

Hinter ihr fiel eine Tür ins Schloss.