„Wenn du diese Aufnahme hörst, ist Wendt zurück.“
Ein Mann vor dem Fährhaus
Lena rannte zurück zum alten Fährhaus.
Das Tor stand offen. Im Gebäude war kein Licht mehr zu sehen.
Vor der zugemauerten Tür lagen frische Schuhabdrücke im Schlamm. Zwei verschiedene Spuren führten zum Fluss hinunter.
Eine davon gehörte ihrem Vater.
Die andere war größer und führte direkt zurück zum Wagen, den Lena vor dem Zaun abgestellt hatte.
Auf der Windschutzscheibe lag ein zweiter Umschlag.
Diesmal stand kein Absender darauf.
Lena riss ihn auf. Darin lag ein aktuelles Foto von ihr vor dem Zustellzentrum. Auf der Rückseite standen nur sieben Wörter:
„Bring die Kassette dorthin, wo alles begann.“
Hinter ihr knirschte Kies.
Lena drehte sich um. Am Ende des Weges stand ein fremder Mann in einem dunklen Mantel. Er hob nicht die Hand, rief nichts und kam nicht näher.
Aber sein Gesicht hatte sie schon einmal gesehen.
Auf einem der Fotos in der Metallkassette.
Erik Wendt war nicht tot.
Und irgendwo am Fluss war ihr Vater allein mit dem Mann, dessen Verschwinden er achtzehn Jahre lang verschwiegen hatte.
Lena schloss die Finger um die Kassette. Zum ersten Mal in ihrem Leben wusste sie, wohin sie gehen musste. Doch sie wusste nicht, ob sie dort ihren Vater retten oder die letzte Wahrheit über ihn finden würde.
