Viktor versuchte noch mehrmals, die Situation herunterzuspielen.
Er behauptete, die Aufnahme sei manipuliert.
Er behauptete, Emma habe sich die Blutergüsse selbst zugefügt.
Er behauptete, Elin habe die ganze Geschichte erfunden.
Doch dann kam der Mann vom Dienstag zur Sprache.
Die Polizei überprüfte die Aufnahmen.
Die Fotos meines Mannes.
Die Dateien auf Elins Rekorder.
Die Nachrichten auf Emmas Handy.
Und schließlich fanden die Ermittler weitere Hinweise.
Viktor hatte nicht nur mit Emma so gesprochen.
Es gab Nachrichten mit anderen Mädchen.
Einige von ihnen hatten ähnliche Erfahrungen gemacht.
Plötzlich wurde aus dem scheinbar perfekten, höflichen jungen Mann ein völlig anderes Bild.
Ein Mann, der Menschen manipulierte.
Ein Mann, der Grenzen überschritt.
Ein Mann, der glaubte, dass niemand ihm etwas anhaben konnte.
Als die Polizei Viktor aus unserem Haus führte, blieb er an der Haustür stehen.
Er sah Emma an.
„Du wirst das bereuen.“
Johan trat vor.
„Nein.“
Seine Stimme war ruhig.
„Sie wird nur bereuen, dass sie dir jemals vertraut hat.“
Viktor wurde abgeführt.
Der Ball, der nicht stattfand
Emma ging an diesem Abend nicht zum Schulball.
Natürlich nicht.
Aber zwei Wochen später fand die Schule eine kleine Feier für die Abschlussklasse statt.
Emma erschien dort.
Mit kurzen Haaren.
Nicht weil Elin sie geschnitten hatte.
Sondern weil Emma selbst entschieden hatte, sie kurz zu tragen.
Sie stand vor dem Spiegel und lächelte.
„Ich glaube, mir gefällt es so.“
Elin stand hinter ihr.
„Mir auch.“
Emma drehte sich um.
„Aber nächstes Mal lässt du meine Haare bitte in Ruhe.“
Elin lachte.
„Versprochen.“
Dann umarmten sie sich.
Ein Jahr später
Ein Jahr später fragte ich Emma, ob sie noch manchmal an Viktor denke.
Sie saß auf der Terrasse und lernte für ihre Universitätsprüfung.
Sie sah mich an und sagte:
„Manchmal.“
„Und was fühlst du dann?“
Sie dachte lange nach.
„Dankbarkeit.“
Ich war überrascht.
„Dankbarkeit?“
