Mein achtjähriger Neffe saß neben dem Sarg seiner Mutter und wartete auf ein Geräusch – dann begann ihr Kleid zu vibrieren

Vielleicht gab es Probleme in ihrer Ehe.

Vielleicht hatte sie etwas entdeckt, das sie beunruhigte.

Doch jetzt saß Leo neben ihrem Sarg und sagte, seine Mutter habe auf ein Geräusch gewartet.

Und plötzlich erinnerte ich mich an Rachels letzte Worte.

„Frag dich immer zuerst, warum.“


Das Kleid, das ich noch nie gesehen hatte

Rachel trug ein dunkelblaues Kleid.

Ich kannte fast alle ihre Kleider.

Dieses nicht.

Es war elegant, schlicht und ungewöhnlich teuer.

Ich fragte Marcus, woher es stammte.

„Das war ihr Lieblingskleid“, sagte er.

Ich sah ihn an.

„Ich habe es noch nie gesehen.“

Er zuckte mit den Schultern.

„Rachel hatte viele Sachen, die du nicht kanntest.“

Sein Ton war schärfer als nötig.

Dann wandte er sich ab.

Ich sah wieder zu Leo.

„Warum sagt Mama, dass ich auf ein Geräusch warten soll?“

Leo antwortete:

„Weil sie gesagt hat, dass du dann wissen wirst, was du tun musst.“

Mein Herz begann schneller zu schlagen.

„Wann hat sie das gesagt?“

„Am Abend, bevor Papa sie gefunden hat.“

Ich sah zu Marcus.

Er stand einige Meter entfernt und sprach mit dem Bestatter.

Für einen Moment glaubte ich, dass er uns beobachtete.

Dann sah er weg.


Das Geräusch

Die Trauerfeier war fast vorbei.

Die meisten Gäste waren bereits gegangen.

Es war kurz vor Mitternacht.

Nur wenige Menschen waren noch da.

Leo saß immer noch neben dem Sarg.

„Leo“, sagte ich leise, „wir müssen jetzt gehen.“

Er schüttelte den Kopf.

„Noch nicht.“

„Warum?“

„Das Geräusch kommt noch.“

Ich wollte ihn nicht erschrecken.

Also blieb ich.

Und dann hörte ich es.

Ein kaum wahrnehmbares Summen.

Metallisch.

Sehr leise.

Ich blickte zum Sarg.

Das Geräusch kam aus Richtung des Kleides.

Ich stand auf.

„Was ist das?“

Leo sagte:

„Das meinte Mama.“

Meine Hände wurden kalt.

Ich öffnete vorsichtig die Abdeckung des Sarges.