Sie hatte nur irgendwann aufgehört, ihn als Gefallen zu betrachten.
Ich stellte eine letzte Frage
Ich sah Sofia an.
„Warum hast du mich nie gefragt, ob ich noch fahren kann?“
Sie schwieg.
„Warum hast du nie gefragt, ob es für mich schwierig wird?“
Keine Antwort.
„Warum hast du gestern nicht einmal gefragt, ob Elsa sicher zur Schule gekommen ist?“
Sofia sah zu Boden.
Ich sagte nichts mehr.
Dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.
Sofia begann zu weinen.
Nicht laut.
Einfach nur Tränen.
„Ich habe es selbstverständlich genommen“, sagte sie.
Ich antwortete nicht.
„Am Anfang war ich dankbar.“
Sie wischte sich über das Gesicht.
„Dann wurde es Gewohnheit.“
Sie sah mich an.
„Und irgendwann dachte ich, es wäre normal.“
Ich nickte langsam.
„Das ist genau das Problem.“
Die Kinder hatten die beste Idee
Während die Erwachsenen noch diskutierten, standen Elsa und Maja etwas abseits.
Plötzlich kam Elsa zu mir.
„Mama?“
„Ja?“
„Warum machen wir nicht einfach eine Fahrgemeinschaft?“
Ich sah sie an.
„Was meinst du?“
Sie zeigte auf die vielen Eltern.
„Jeder fährt einmal. Dann muss niemand immer fahren.“
Alle wurden still.
Frau Keller lächelte.
„Das ist tatsächlich eine ziemlich gute Idee.“
Eine andere Mutter hob die Hand.
„Ich kann montags.“
Ein Vater sagte:
„Dienstag kann ich übernehmen.“
Laura sagte:
„Mittwoch gehört mir.“
Und plötzlich entstand aus einem Streit etwas Neues.
Eine richtige Fahrgemeinschaft.
Niemand musste mehr jeden Morgen alles allein organisieren.
Niemand musste sich verpflichtet fühlen.
Und niemand musste für eine kostenlose Dienstleistung dankbar sein, die irgendwann zur Pflicht geworden war.
Sofias Entschuldigung
Bevor alle gingen, kam Sofia noch einmal zu mir.
Sie sah erschöpft aus.
„Anna.“
„Ja?“
„Es tut mir leid.“
Ich sah sie an.
Sie sprach weiter.
„Nicht nur wegen gestern.“
„Sondern?“
„Wegen der letzten Monate. Vielleicht sogar wegen des letzten Jahres.“
Sie atmete tief ein.
