Yvonne sah mich an.
„Ein Unfall während des Dienstes.“
„War Leif dabei?“
Sie nickte.
Ich stand auf.
„Warum hast du mir das nie gesagt?“
Yvonne weinte.
„Weil ich Angst hatte.“
„Vor Leif?“
Sie nickte.
„Er hat mir gesagt, wenn ich über Lars’ Unterlagen spreche, würde ich alles verlieren.“
Ich setzte mich wieder.
„Welche Unterlagen?“
Yvonne sah mich an.
„Lars hatte herausgefunden, dass jemand Geld aus einem Unterstützungsfonds für Soldaten verschwinden ließ.“
Mein Herz begann zu rasen.
„Wer?“
„Ich weiß es nicht.“
„Aber er vermutete Leif?“
Yvonne antwortete nicht.
Das Schweigen war genug.
Das zweite Sparbuch
Am Abend durchsuchte ich Leifs Schreibtisch.
Ich hatte nie zuvor seine privaten Sachen durchsucht.
Doch jetzt war mir alles egal.
Ich fand Briefe.
Quittungen.
Militärische Unterlagen.
Und schließlich einen kleinen Schlüssel.
Der Schlüssel passte zu einer Schublade, die ich noch nie geöffnet hatte.
Darin lag ein zweites Sparbuch.
Nicht auf meinen Namen.
Nicht auf Leifs Namen.
Es war ein Konto, das mit einer Organisation verbunden war.
Ich verstand die Bezeichnung zunächst nicht.
Dann sah ich die Einzahlungen.
Monat für Monat.
Geldbeträge, die Leif niemals mit seinem normalen Gehalt hätte erklären können.
Ich kopierte die Zahlen.
Am nächsten Morgen ging ich zu einem Bankangestellten meines Vertrauens.
Er sah sich die Unterlagen an.
„Das ist kein normales Privatkonto.“
„Was bedeutet das?“
„Ich kann Ihnen nicht alles sagen.“
„Warum?“
„Weil es nicht Ihr Konto ist.“
Ich legte ihm eine Kopie der Kaufurkunde vor.
„Dann sagen Sie mir nur, ob diese Zahlungen mit der Wohnung zusammenhängen.“
Er sah die Dokumente lange an.
Dann sagte er:
„Sie sollten einen Anwalt einschalten.“
Das war keine Antwort.
Aber es war Antwort genug.
Die Polizei
Am selben Nachmittag ging ich zur Polizei.
Ich nahm die Kaufurkunde mit.
Die Kopien der Kontobewegungen.
Die Aussagen von Yvonne.
Und meine eigene Aussage über das Sparbuch.
