Eine kleine Portion Suppe.
Und ein Stück Apfelkuchen.
Ich bereitete alles vor.
Als ich den Teller vor Misha stellte, sah er mich überrascht an.
„Das ist für mich?“
„Ja.“
„Wie viel kostet es?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Nichts.“
„Aber ich habe kein Geld.“
„Das ist okay.“
Er sah mich lange an.
Dann nahm er die Gabel.
Und begann zu essen.
Er aß nicht wie ein Kind, das einfach sehr hungrig war.
Er aß wie jemand, der nicht wusste, wann er wieder etwas bekommen würde.
Meine Großmutter sah mich an.
Ich wusste, dass wir selbst kaum noch Geld hatten.
Aber sie sagte nichts.
Sie stellte nur ein Glas Milch neben seinen Teller.
„Warum bist du allein?“
Nach einigen Minuten wurde Misha ruhiger.
Seine Hände zitterten nicht mehr.
„Was ist passiert?“, fragte ich.
Er sah auf seine Gabel.
„Ich war mit meiner Nanny beim Einkaufszentrum.“
„Und dann?“
„Ich habe eine kleine Katze gesehen.“
Seine Stimme wurde leiser.
„Sie ist weggelaufen. Ich bin ihr hinterher.“
„Und deine Nanny?“
„Als ich zurückkam, war sie nicht mehr da.“
„Hast du versucht, sie anzurufen?“
Er nickte.
„Mein Handy war fast leer.“
„Und deine Eltern?“
„Mein Vater wird mich finden.“
„Wie heißt dein Vater?“
Der Junge hielt mitten in der Bewegung inne.
„Michail Volkov.“
Der Name sagte mir nichts.
Ich war zwölf.
Ich interessierte mich für Schule, Musik und Zeichnen.
Ich wusste nicht, welche Männer in Chicago gefürchtet wurden.
Ich wusste nicht, welche Familien Macht hatten.
Ich wusste nur, dass ein kleiner Junge vor mir saß, der seinen Vater vermisste.
„Kannst du ihn anrufen?“
Misha nickte.
Doch dann flüsterte er:
„Papa wird wütend sein.“
„Auf dich?“
Er schüttelte den Kopf.
„Auf alle anderen.“
Die schwarzen Autos
Ich wollte gerade weiterfragen, als plötzlich Licht durch die Fenster fiel.
Mehrere Scheinwerfer.
Dann ein Motor.
Noch einer.
Und noch einer.
