Die Kantinenleiterin sah jeden Montag ein Mädchen mit zwei Essen gehen – dann folgte sie ihr

„Hat er dir gesagt, wohin er geht?“

Nika schüttelte den Kopf. „Er wollte nicht, dass Sie ihn finden.“

„Dann müssen wir herausfinden, wo er ist, bevor es gefährlich wird.“

Zum ersten Mal sah Nika Leonie direkt an. „Sie bringen ihn nicht in ein Heim, in dem er sich wieder wie ein Verbrecher fühlt?“

„Ich kann dir nichts versprechen, was ich nicht allein entscheiden kann. Aber ich verspreche dir, dass wir ihn nicht einfach verschwinden lassen.“

Am Nachmittag fanden sie Pavels Rucksack in der Nähe der alten Lagerhalle. Darin lagen seine Medikamente, ein zerknittertes Foto und ein Zettel mit einer Adresse am anderen Ende der Stadt.

Leonie erkannte den Ort. Es war das leer stehende Gebäude einer früheren Gärtnerei.

Gemeinsam mit dem Sozialarbeiter fuhr sie dorthin. Die Fenster waren mit Brettern vernagelt, der Hof voller Unkraut. Im hinteren Teil des Gebäudes entdeckten sie eine offene Tür.

Drinnen war es dunkel.

„Pavel?“ rief Leonie.

Keine Antwort.

Dann hörte sie ein metallisches Klappern. Ein Eimer fiel um. Nika lief trotz aller Warnungen nach hinten in den Raum.

„Nika, bleib stehen!“

Aus dem Schatten kam Pavels Stimme.

„Geh weg. Ich will nicht, dass sie mich wieder mitnehmen.“

Leonie blieb an der Tür stehen. Sie zwang sich, nicht näher zu kommen.

„Niemand nimmt dich irgendwohin, ohne mit dir zu sprechen“, sagte sie. „Aber du musst jetzt herauskommen. Deine Medikamente sind in deinem Rucksack.“

Eine lange Stille folgte.

Dann trat Pavel hervor. Er war blasser als am Vortag und hielt sich die Seite. Nika ging auf ihn zu, doch Leonie hob vorsichtig die Hand.

„Langsam. Lass ihn selbst entscheiden.“

Pavel sah das Mädchen an. „Du hättest nicht kommen dürfen.“

„Doch“, sagte Nika. „Diesmal schon.“

Was aus zwei Mahlzeiten wurde