Im Behandlungsraum wurde es still.
Clara erzählte, dass sie vor sechs Jahren aus dem Haus ihres Vaters geflohen war. Sie hatte nicht gewollt, dass Balu mitkommen musste, weil Henrik gedroht hatte, den Hund verschwinden zu lassen. Deshalb hatte sie ihn heimlich bei einer Bekannten untergebracht. Doch die Bekannte war krank geworden, und Balu war schließlich wieder bei Henrik gelandet.
Clara hatte Nora nie persönlich kennengelernt. Aber eine Freundin hatte ihr vor Jahren von der Tierärztin erzählt, die sich geweigert hatte, einen misshandelten Hund ohne genaue Untersuchung einzuschläfern. Clara hatte den Namen aufgeschrieben, falls sie Balu jemals wiederfinden sollte.
Was im Schuppen lag
Der Schlüssel aus der Tüte passte zu einem kleinen Schuppen hinter Henriks Haus. Die Polizei, die inzwischen eingetroffen war, fand dort keine gefangene Person und keinen dramatischen Beweis, wie die Nachbarn später behaupteten.
Sie fanden etwas Schwierigeres: Kartons voller Briefe, zurückgehaltene Post und Unterlagen, die zeigten, dass Clara über Jahre versucht hatte, Kontakt zu ihrer kranken Mutter aufzunehmen. Henrik hatte die Nachrichten abgefangen und Clara gegenüber behauptet, ihre Mutter wolle nichts mehr von ihr wissen.
Er hatte nicht nur den Hund behalten. Er hatte die Familie durch Lügen voneinander getrennt.
Henrik wurde noch am selben Tag festgenommen. Clara musste später viele Fragen beantworten, und nicht jede davon hatte eine einfache Antwort. Doch Balu blieb bei ihr.
Seine Gelenke wurden behandelt, sein Gewicht nahm langsam zu, und das blaue Halsband bekam einen Platz über Claras Schreibtisch.
Ein halbes Jahr später kam Clara mit Balu zurück in die Praxis. Der Hund lief noch vorsichtig, aber er trug den Kopf höher als zuvor.
„Er reagiert immer noch auf Milo“, sagte Clara.
Nora lächelte. „Dann soll er diesen Namen behalten, wenn er ihm gehört.“
Clara legte eine Hand auf den alten Hund. „Er hat mich gefunden, nicht umgekehrt.“
