Vielleicht ist das inzwischen normal.
Das Gespräch mit seinem besten Freund
Jonas erzählte seinem besten Freund Daniel davon.
Die beiden kannten sich seit der Schulzeit.
Sie trafen sich an einem Freitagabend in einem kleinen Restaurant.
Daniel hörte sich alles an.
Dann fragte er:
„Wie viele Wohnungen hast du dir inzwischen angesehen?“
Jonas überlegte.
„Vielleicht zwanzig.“
„Und wie viele Bewerbungen hast du geschickt?“
„Mehr als fünfzig.“
Daniel pfiff leise.
„Und du willst immer noch dieselbe Wohnung?“
Jonas lächelte.
„Nein. Ich will irgendeine vernünftige Wohnung.“
Daniel sah ihn ernst an.
„Dann darfst du nicht aufgeben.“
„Ich gebe nicht auf.“
„Du klingst aber so.“
Jonas schwieg.
Daniel nahm sein Glas und sagte:
„Manchmal sucht man nicht nur eine Wohnung. Man sucht einen Ort, an dem man endlich wieder das Gefühl hat, angekommen zu sein.“
Jonas sah ihn an.
„Seit wann bist du Philosoph?“
Daniel lachte.
„Seit du keine Wohnung findest.“
Beide mussten lachen.
Für einige Minuten vergaß Jonas seine Probleme.
Doch als er später nach Hause kam, wartete wieder seine kleine Wohnung auf ihn.
Er sah sich um.
Und zum ersten Mal empfand er nicht nur Enge.
Er empfand Müdigkeit.
Sechs Monate
Sechs Monate waren vergangen.
Jonas hatte inzwischen über hundert Anzeigen gesehen.
Er hatte zahlreiche Nachrichten verschickt.
Er hatte Besichtigungen besucht.
Er hatte Unterlagen vorbereitet.
Er hatte gewartet.
Und er hatte Absagen erhalten.
An diesem Montagmorgen hatte er schließlich genug.
Die Nachricht auf seinem Smartphone war nur eine weitere Absage.
Aber diesmal fühlte sie sich anders an.
Jonas öffnete seine Immobilien-App.
Er wollte sie löschen.
„Das bringt doch sowieso nichts“, sagte er.
Doch bevor er die App schließen konnte, erschien eine neue Anzeige.
„2-Zimmer-Wohnung mit Balkon – ruhige Lage – ab sofort verfügbar“
Jonas wollte eigentlich weiterscrollen.
Die Fotos waren nicht besonders professionell.
Die Wohnung sah nicht luxuriös aus.
Die Beschreibung war kurz.
