Weil es für alle einfacher gewesen war, wenn ich schwieg.
Erik kam zu Emma
Kurz nach Mitternacht klingelte es an Emmas Tür.
Ich wusste sofort, wer es war.
Emma sah mich an.
„Soll ich aufmachen?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Nein.“
Es klingelte erneut.
Dann kam eine Nachricht.
„Ich weiß, dass du da bist.“
Ich antwortete nicht.
Dann:
„Wir müssen reden.“
Wieder nichts.
Dann:
„Es tut mir leid.“
Ich starrte auf diese drei Wörter.
Zum ersten Mal an diesem Abend schrieb er, dass es ihm leidtat.
Aber irgendetwas in mir hatte sich verändert.
Eine Entschuldigung konnte die Wahrheit nicht mehr zurücknehmen.
Ich öffnete schließlich die Tür.
Er stand draußen.
Sein Gesicht sah müde aus.
„Anna.“
„Was willst du?“
„Ich möchte Sofia sehen.“
„Sie schläft.“
Er sah zu Boden.
„Wie geht es ihr?“
Das war die erste Frage, die er an diesem Abend nach seinem Kind stellte.
Ich sagte:
„Sie hat Angst.“
Er schloss die Augen.
„Ich weiß.“
„Nein, Erik. Du weißt es nicht.“
Er sah mich an.
„Ich habe einen Fehler gemacht.“
„Du hast nicht einfach einen Fehler gemacht.“
Er schwieg.
„Du hast gesehen, was passiert ist.“
„Ja.“
„Und du hast nichts getan.“
Er sah weg.
„Ich hatte Angst.“
„Vor wem?“
Er antwortete nicht.
Dann sagte er:
„Vor meiner Mutter.“
„Sie war schon immer so“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
„Was meinst du damit?“
Er setzte sich auf die Treppe vor dem Haus.
„Meine Mutter war schon immer so.“
„So wie?“
Er schwieg.
„Erik.“
Er atmete tief ein.
„Sie konnte sehr wütend werden.“
„Als du ein Kind warst?“
Er nickte.
„Und was hat sie gemacht?“
„Manchmal hat sie mich geschlagen.“
Ich spürte einen Stich im Herzen.
„Und du hast deshalb gelernt, ihr aus dem Weg zu gehen?“
„Ja.“
