Sie hatte mich gefragt:
„Für welchen Fall?“
Ich hatte gelacht.
„Ach, für nichts. Ich will einfach vorbereitet sein.“
Aber tief in mir wusste ich genau, warum ich die Sachen dort gelassen hatte.
Seit Monaten hatte ich das Gefühl, dass ich irgendwann einen Weg aus unserem Zuhause brauchen könnte.
Ich hatte es mir nur nicht eingestehen wollen.
Die Nachrichten von Erik
Noch bevor wir bei Emma angekommen waren, begann mein Telefon zu vibrieren.
Erik.
Eine Nachricht.
Dann noch eine.
Dann noch eine.
Die erste lautete:
„Warum machst du so eine Szene?“
Die zweite:
„Du hast den ganzen Abend ruiniert.“
Die dritte:
„Meine Mutter weint.“
Die vierte:
„Alle sind schockiert über dein Verhalten.“
Die fünfte:
„Du hättest mit mir privat darüber sprechen können.“
Die sechste:
„Sofia war vorher völlig in Ordnung.“
Die siebte:
„Beruhige dich.“
Die achte:
„Meine Mutter hat so viel für uns getan.“
Die neunte:
„Du weißt doch, dass sie Sofia liebt.“
Die zehnte:
„Komm zurück, dann reden wir.“
Die elfte:
„Hör auf, alle für eine Kleinigkeit zu bestrafen.“
Ich starrte auf den Bildschirm.
Elf Nachrichten.
Und keine einzige Frage nach Sofia.
Keine:
„Wie geht es ihr?“
Keine:
„Hat sie Schmerzen?“
Keine:
„Soll ich einen Arzt rufen?“
Stattdessen nur Nachrichten über seine Mutter.
Dann kam die zwölfte.
„Mama geht es wegen dem, was passiert ist, sehr schlecht.“
Ich legte mein Handy auf den Tisch.
Ich konnte nicht mehr.
22:18 Uhr
Es war 22:18 Uhr.
Sofia war inzwischen bei Emma auf dem Sofa eingeschlafen.
Ich saß in der Küche und versuchte, meine Gedanken zu ordnen.
Dann vibrierte mein Handy erneut.
Diesmal war es nicht Erik.
Es war seine Cousine Elin.
Elin war normalerweise sehr zurückhaltend.
Sie mischte sich nicht in Familienprobleme ein.
Deshalb wunderte ich mich über ihre Nachricht.
Sie schrieb:
„Anna, ich muss dir etwas schicken.“
