Der Blumenstrauß in meinen Händen begann zu zittern.
Ich konnte mich nicht bewegen.
Ich konnte nicht sprechen.
Ich konnte nur zusehen.
Und plötzlich erinnerte ich mich an seine Nachricht.
Drei Stunden zuvor.
„Singapur ist diese Woche brutal. Meetings von morgens bis abends. Ich vermisse dich so sehr. Sag deiner Mutter, sie soll mir etwas von ihrer Pasta aufheben.“
Ich hatte damals gelächelt.
Ich hatte die Nachricht sogar zweimal gelesen.
Jetzt wurde mir übel.
Singapur.
Er war gar nicht in Singapur.
Er war hier.
Mit ihr.
In unserer Stadt.
Und er hatte keine Ahnung, dass ich ihn beobachtete.
Kapitel 2 – Ich fotografierte ihn
Mein erster Impuls war, zu ihm zu laufen.
Ich wollte ihn anschreien.
Ich wollte die Frau fragen, wer sie war.
Ich wollte wissen, wie lange das schon ging.
Doch irgendetwas hielt mich zurück.
Vielleicht war es Schock.
Vielleicht war es Instinkt.
Vielleicht wusste ein Teil von mir bereits, dass dieser Kuss nur die Spitze des Eisbergs war.
Ich nahm mein Handy.
Ich tat so, als würde ich eine Nachricht lesen.
Dann machte ich ein Foto.
Ein einziges.
Es zeigte Daniels Gesicht.
Die Frau.
Seine Hand an ihrer Taille.
Und den VIP-Ausgang hinter ihnen.
Ich zoomte das Bild heran.
Kein Zweifel.
Es war Daniel.
Mein Mann.
Der Mann, mit dem ich acht Jahre verheiratet war.
Der Mann, der jeden Morgen neben mir aufwachte.
Der Mann, der mir sagte, dass ich die Liebe seines Lebens sei.
Der Mann, der mich drei Stunden zuvor angelogen hatte.
Ich speicherte das Foto.
Dann sah ich auf die Anzeigetafel.
Der Flug meiner Eltern war gelandet.
Ich hatte nur wenige Minuten.
Ich wischte mir heimlich eine Träne aus dem Gesicht.
Dann stellte ich mich wieder gerade hin.
Ich würde meinen Eltern diesen Tag nicht verderben.
