Der fremde Junge legte ihr einen Schlüssel in die Hand – und sagte: „Dein Bruder hat mich geschickt“

Elena hielt sich am Tisch fest.

„Er ist nicht der, für den sie ihn ausgeben. Seine Mutter hat ihn nicht verlassen. Sie hat versucht, ihn zurückzubekommen.“

Die Aufnahme brach ab.

Im selben Moment hörte Elena über sich ein Geräusch. Jemand bewegte sich in der Werkstatt.

Sie löschte das Licht und blieb reglos stehen. Schritte gingen langsam über den Holzboden. Eine Schublade wurde geöffnet. Dann fiel etwas Schweres zu Boden.

Elena tastete nach ihrem Telefon, doch es lag oben auf dem Tisch.

Die Schritte kamen näher zur Falltür.

Eine Entscheidung im Dunkeln

Die Luke bewegte sich keinen Zentimeter. Jemand versuchte, sie von oben zu öffnen. Elena hielt den Atem an und presste sich zwischen den Aktenschrank und die Wand.

„Frau Weber“, sagte eine Männerstimme. „Wir sollten miteinander reden.“

Es war Martin Voss.

Elena dachte an Emil. An die blauen Schatten unter seinen Augen. An den Satz, den Jonas aufgenommen hatte. Und an die Nachricht, die sie am Nachmittag erhalten hatte.

Sie wusste, dass sie Voss nicht allein besiegen konnte. Doch sie wusste auch, dass die Beweise in diesem Keller vielleicht die einzige Möglichkeit waren, Emil und die anderen Kinder zu schützen.

Mit zittrigen Fingern tastete sie nach einem alten Sicherungskasten. Jonas hatte unter jedem Schalter kleine Markierungen angebracht. Eine davon zeigte auf die Außenbeleuchtung der Werkstatt.

Elena schaltete den Strom ein.

Im selben Augenblick sprang draußen die helle Lampe an. Durch einen Spalt in der Falltür hörte sie Voss fluchen. Dann klingelte ein Telefon.

„Sie ist nicht allein“, sagte eine zweite Stimme aus der Werkstatt.

Elena verstand plötzlich, was Jonas gemeint hatte. Er hatte nicht nur Beweise gesammelt. Er hatte dafür gesorgt, dass jemand die Aufnahmen bekam, falls ihm etwas zustieß.

Sie griff nach dem Aufnahmegerät und fand darunter einen kleinen Zettel. Darauf stand eine Adresse und eine Uhrzeit.