„Dann könnt ihr es auch im Büro tun.“
Gabriel wurde wütend.
„Du bist nicht mehr meine Frau.“
Penelope legte eine Hand auf ihren Bauch.
„Ich trage dein Kind.“
„Das ändert nichts.“
„Für mich schon.“
Er sah sie an.
„Ich liebe Bianca.“
Diese vier Worte waren schlimmer als jede Ohrfeige.
Penelope nickte langsam.
„Dann ist es vorbei.“
Sie ging nach unten.
Daisy stand dort.
Das Mädchen hatte alles gehört.
Sie sah Penelope an.
„Penny?“
Penelope kniete sich vor sie.
„Es ist alles okay.“
„Nein.“
Daisy schüttelte den Kopf.
„Es ist nicht okay.“
Penelope wollte antworten.
Doch Daisy flüsterte:
„Bianca hat gesagt, dass sie dich loswerden will.“
Penelope erstarrte.
„Was?“
Daisy sah zur Treppe.
„Sie hat Papa gesagt, dass du alles unterschreiben wirst, wenn du Angst hast.“
Penelope spürte, wie ihr Herz schneller schlug.
„Was soll ich unterschreiben?“
Daisy wusste es nicht.
Aber sie hatte etwas gehört.
Etwas, das später entscheidend werden würde.
Der Scheidungsantrag
Gabriel reichte die Scheidung ein.
Penelope war am Boden zerstört.
Aber sie beschloss, nicht um ihn zu kämpfen.
Nicht weil sie ihn nicht mehr liebte.
Sondern weil sie erkannte, dass sie ihre Würde nicht gegen die Liebe zu einem Mann eintauschen durfte, der sie nicht mehr respektierte.
Gabriel und Bianca wollten das Haus.
Sie wollten das Unternehmen.
Sie wollten das Geld.
Und Penelope wusste, dass sie vor Gericht wahrscheinlich jahrelang darum kämpfen könnte.
Aber sie wollte nicht.
Sie wollte nur weg.
Also unterschrieb sie die Vereinbarung.
Sie überließ Gabriel alles.
Das Haus.
Die Fahrzeuge.
Die Konten.
Seine Firmenanteile.
Sogar Möbel und persönliche Gegenstände.
Ihr Anwalt war entsetzt.
„Penelope, Sie müssen das nicht tun.“
„Ich weiß.“
„Sie haben Anspruch auf einen erheblichen Teil dieses Vermögens.“
„Ich weiß.“
„Warum verzichten Sie darauf?“
Penelope sah auf ihren Bauch.
„Weil ich nichts mitnehmen will, das mich an diesen Mann bindet.“
Ihr Anwalt schwieg.
Dann sagte er:
„Und was ist mit Ihrem Kind?“
Penelope antwortete:
„Mein Kind braucht keine Villa. Es braucht eine Mutter, die nicht jeden Morgen neben einem Mann aufwacht, der sie belügt.“
Der Gerichtstag
Und nun war dieser Tag gekommen.
Penelope hatte alles aufgegeben.
Gabriel glaubte, er hätte gewonnen.
Bianca glaubte es ebenfalls.
Doch dann wurde Daisy in den Gerichtssaal gebracht.
Das kleine Mädchen blieb zunächst an der Tür stehen.
Richterin Barrett beugte sich leicht nach vorne.
„Daisy, möchtest du zu mir kommen?“
Daisy sah zu ihrem Vater.
Gabriel schüttelte kaum sichtbar den Kopf.
Doch Daisy sah zur Richterin.
Dann ging sie langsam nach vorne.
Der Gerichtsdiener brachte ihr einen Stuhl.
Sie setzte sich.
Das Stoffkaninchen lag auf ihrem Schoß.
Die Richterin sprach ruhig.
„Daisy, du bist nicht in Schwierigkeiten.“
Das Mädchen nickte.
„Ich möchte dir nur einige Fragen stellen.“
„Okay.“
„Hast du heute Morgen mit mir gesprochen?“
„Ja.“
„Was hast du mir erzählt?“
Daisy blickte zu ihrem Vater.
Gabriel war inzwischen kreidebleich.
„Ich habe gesagt, was Papa und Bianca gemacht haben.“
Bianca sprang auf.
„Das ist absurd!“
„Setzen Sie sich!“, sagte die Richterin scharf.
Bianca setzte sich.
Daisy hielt ihr Kaninchen fester.
„Was haben sie gemacht?“, fragte die Richterin.
Das Mädchen schluckte.
„Sie wollten, dass Penny das Haus verlässt.“
Penelope begann zu weinen.
Daisy fuhr fort:
„Bianca hat gesagt, dass Penny dann nichts mehr haben würde.“
Gabriel schloss die Augen.
„Und was noch?“
Daisy sah auf den Boden.
„Sie haben über Geld gesprochen.“
Die Richterin fragte:
„Was genau hast du gehört?“
„Bianca sagte, dass Papa alles bekommen würde, wenn Penny die Papiere unterschreibt.“
Im Gerichtssaal wurde es vollkommen still.
Gabriel sprang auf.
„Das stimmt nicht!“
„Herr Albright!“
„Sie ist sechs Jahre alt! Sie versteht nicht, was sie gehört hat!“
Die Richterin sah ihn scharf an.
„Setzen Sie sich.“
Er setzte sich.
Doch Daisy war noch nicht fertig.
Das Geheimnis im Arbeitszimmer
„Es gab noch etwas“, sagte Daisy.
Penelope sah sie an.
„Was?“
Daisy drehte sich zur Richterin.
„Bianca hat etwas im Büro versteckt.“
Gabriel wurde blass.
„Was?“
Daisy fuhr fort:
„Ein rotes Buch.“
Die Richterin fragte:
„Was für ein Buch?“
„Ein Buch mit vielen Zahlen.“
Penelope sah ihren Anwalt an.
Er hob die Augenbrauen.
Daisy sagte:
„Papa und Bianca haben darin geschrieben, wie viel Geld sie bekommen würden.“
Gabriel stand wieder auf.
„Das ist eine Lüge!“
Daisy begann zu weinen.
Penelope wollte zu ihr laufen.
Doch der Gerichtsdiener ging bereits zu dem Mädchen.
„Alles ist gut.“
Richterin Barrett sagte:
„Herr Albright, setzen Sie sich sofort.“
Dann wandte sie sich an den Gerichtsdiener.
„Lassen Sie den Ermittlungsbeamten hereinkommen.“
Gabriel erstarrte.
„Warum?“
Die Richterin antwortete:
„Weil dieses Gericht nicht nur eine Scheidung prüft.“
Das rote Buch
Ein Ermittlungsbeamter betrat den Gerichtssaal.
Er legte einen versiegelten Beutel auf den Tisch.
Darin lag ein kleines rotes Notizbuch.
Penelope erkannte es nicht.
Gabriel dagegen schon.
