Ich heiratete den Zwillingsbruder meines verstorbenen Mannes – doch in unserer Hochzeitsnacht entdeckte ich eine Narbe, die alles veränderte

„Ich bin noch nicht bereit.“

„Ich verstehe.“




Wir standen schweigend da.

Dann sagte ich:

„Aber vielleicht eines Tages.“

Er sah mich an.

„Das reicht mir.“


Kapitel 13 – Die letzte Wahrheit

Einige Monate später kam Sebastian zu Besuch.

Wir saßen alle gemeinsam am Tisch.

Camila zwischen ihren beiden Onkeln.

Oder zwischen ihren beiden Vätern.

Denn für sie war die Situation komplizierter.

Sie nannte Santiago inzwischen wieder Papa.

Sebastian blieb für sie Onkel Sebastian.

Nach dem Essen ging Camila nach oben.

Sebastian blieb mit mir und Santiago im Wohnzimmer.

„Ich muss euch etwas sagen“, begann er.

Ich sah ihn an.

„Was?“

„Ich habe damals gewusst, dass Santiago lebt.“

Santiago wurde still.

„Was?“

Sebastian senkte den Kopf.

„Ich habe ihn nach dem Unfall gesehen.“

„Warum hast du mir das nie gesagt?“, fragte Santiago.

„Weil er mich darum gebeten hat.“

Santiago stand auf.

„Du hast mich drei Jahre lang angelogen?“

„Ja.“

„Warum?“

Sebastian sah mich an.

„Weil ich dachte, du wärst sicherer, wenn du glaubst, er sei tot.“

Ich sagte nichts.

„Ich habe einen Fehler gemacht“, fuhr Sebastian fort. „Einen sehr großen.“

Santiago setzte sich wieder.

„Warum hast du mich dann geheiratet?“, fragte ich.

Sebastian antwortete:

„Weil ich dich geliebt habe.“

Die Worte trafen mich unerwartet.

„Und weil ich wusste, dass du niemals einen Mann heiraten würdest, der Santiago ähnlich sieht, wenn du ihn nicht wirklich liebst.“

Ich sah ihn an.

„Du hast mich also bewusst in diese Situation gebracht.“

„Ja.“

„Das war falsch.“

„Ich weiß.“

Zum ersten Mal seit langer Zeit sagte niemand etwas.

Dann stand Sebastian auf.

„Ich werde gehen.“

„Warum?“

„Weil ihr beide euer Leben zurückbekommen müsst.“

Er ging zur Tür.

Ich hielt ihn auf.

„Sebastian.“

Er drehte sich um.

„Danke.“




Er lächelte traurig.

„Wofür?“

„Dafür, dass du Camila nie aufgegeben hast.“

Er nickte.

Dann ging er.


Kapitel 14 – Zwei Jahre später

Zwei Jahre vergingen.

In dieser Zeit veränderte sich vieles.

Santiago und ich heirateten nicht sofort erneut.

Wir gingen gemeinsam zu einer Paartherapie.

Wir lernten, wieder miteinander zu sprechen.

Nicht über die Vergangenheit hinweg.

Sondern durch sie hindurch.

Santiago erzählte mir alles, was er während seiner drei Jahre erlebt hatte.

Ich erzählte ihm, wie es sich angefühlt hatte, ihn zu verlieren.

Wir stritten.

Wir weinten.

Manchmal schliefen wir wochenlang in getrennten Zimmern.

Aber wir gaben nicht auf.

Nicht, weil unsere Geschichte perfekt war.

Sondern weil wir beide beschlossen hatten, ehrlich zu sein.

Eines Abends kam Santiago mit einem kleinen Kästchen nach Hause.

„Was ist das?“, fragte ich.

Er kniete sich vor mich.

Ich erschrak.

„Mariana, ich weiß, dass ich dich schon einmal geheiratet habe.“

Ich musste lächeln.

„Das ist mir aufgefallen.“

Er lachte.

„Aber damals hast du einen Mann geheiratet, von dem du dachtest, er sei jemand anderes.“

Er öffnete das Kästchen.

Darin lag kein großer Diamantring.

Nur ein schlichter Ring.

„Diesmal möchte ich, dass du mich heiratest, weil du genau weißt, wer vor dir steht.“

Ich begann zu weinen.

„Und wenn ich Nein sage?“

„Dann bleibe ich trotzdem hier.“

Ich sah ihn an.

Diesmal hatte ich keine Angst.

„Dann frage mich.“

„Mariana Lopez, willst du mich noch einmal heiraten?“

Ich sah in sein Gesicht.

Nicht in das Gesicht meines verstorbenen Mannes.

Nicht in das Gesicht seines Zwillingsbruders.

Sondern in das Gesicht des Mannes, der vor mir stand und endlich aufgehört hatte, sich hinter einer falschen Identität zu verstecken.

„Ja“, sagte ich.

„Ja, ich will.“


Kapitel 15 – Die Hochzeit

Unsere zweite Hochzeit war klein.

Nur Familie und einige enge Freunde.

Camila war inzwischen vierzehn.

Sie stand neben mir und hielt meine Hand.

Kurz vor der Zeremonie sah sie zu Santiago.

„Papa?“

„Ja?“

„Diesmal stirbst du aber nicht wieder, oder?“

Alle lachten.

Santiago ging vor ihr in die Knie.




„Ich verspreche dir, dass ich nie wieder freiwillig verschwinde.“

Camila umarmte ihn.

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